Der Sonnenbruder


Der Sonnenbruder

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Landstreicherroman

 

Einführung zu innigstem Naturerleben. Die Literaturkritik behauptet, dass es der schönste Landstreicherroman sei. Er erzählt von meinem zweijährigen Leben auf der Landstraße.“ (Hans Sterneder)

„Der Sonnenbruder“ ist die Vorgeschichte zu Hans Sterneders Einweihungsroman „Der Wunderapostel“. Er erzählt von den Erlebnissen des Walzbruders Beatus Klingohr auf den Landstraßen des 19. Jahrhunderts und schildert seine - vorerst - erfolglose Suche nach dem Wunderapostel ...

Ein schwerer Schicksalsschlag hat Beatus Klingohr hinausgetrieben auf die Landstraße, fort aus der Geborgenheit seines alten Lebens, hinaus auf die harte Straße und hinein in die bunte Welt der Landstreicher und Vagabunden. Über ein Jahr ist er nun schon unterwegs, ein Heimatloser und Getriebener. Doch das Schicksal meint es gut mit ihm. Beatus ist ein Liebling der großen Mutter Natur. Mit warmer Liebe offenbart sie ihm all ihre Schönheiten. Er genießt die unbeschwerte Leichtigkeit der Sommertage und die herzliche Freundschaft seiner Wanderbrüder.

Aber er bekommt auch die erbarmungslose Härte des Winters zu spüren und die versteinerte Ablehnung kalter Herzen. So erlebt Beatus beides: Himmel und Hölle, Freude und Niedergeschlagenheit. Doch bei all diesem Erleben kreisen seine Gedanken immer wieder um den Sinn des Lebens, die Geheimnisse der Natur und - um Gott. Als er sich schließlich aufmacht, einen Mann zu finden, den alle nur den „Wunderapostel“ nennen, beginnt eine dramatische Suche auf Leben und Tod ...

Die Geschichte vom „Sonnenbruder“ Beatus Klingohr ist eine ganz besonders köstliche Dichtung. Sie schenkt dem Leser viel Sonne, Freude und Liebe zur Natur, ihren Geschöpfen und ihrem Schöpfer. „Das Hohelied der Landstraße, wie es seit Eichendorff nicht wieder erklungen ist.“ (Adolf Potthoff, 1923)

 

 

Leseprobe

 

Sie sind doch Komödianten, diese Menschen!
(aus dem 4. Kapitel)

© 2008 Thomas Eich-Verlag, Werlenbach
Alle Rechte vorbehalten

 

Auf den Holzzäunen hockten Gartenrotschwänzchen, die sich nicht genugtun konnten mit Knixen und Kopfnicken, und aus dem Gezweig der Bäume rief ihm bald da, bald dort ein munterer Spottvogel gute Reise zu. Und als nun gar noch das selig schmelzende Flöten des goldleuchtenden Pirols im letzten Obstanger, ein Stück außerhalb des Dorfes, einsetzte, da wurde dem Walzbruder so überströmend froh im Herzen, dass er mit seinem Stock übermütig in der Luft herumfuchtelte.

Und plötzlich warf er das Ränzel ins Gras, zog seine Schuhe aus, steckte die Socken hinein, band die Schnürriemen zusammen und hing sie mit dem Ränzel über die Achsel. Dichter Staub lag auf der Landstraße und bald waren seine Füße ganz grau. Dies aber schien ihm solchen Spaß zu machen, dass er mit der ganzen Sohle aufpatschte. Immer wieder sah er mit schmunzelndem Gesicht auf seine Füße. Da bemerkte er, wie dick der Staub in den Wagengeleisen lag, und schon marschierte er in ihnen, dass die Füße darin versanken. Wie prickelnd wohlig es in dem mollig durchwärmten Staubmehl zu gehen war! Als hätte es ein Bäcker in einer Riesenpfanne vorgewärmt. Und wie drollig die Sandkörnchen kitzelten! Das Allerköstlichste aber waren die immerfort zwischen den Zehen aufsteigenden, sonndurchflimmerten, tanzenden Staubsäulchen. Er konnte sich gar nicht genug satt freuen daran und wäre beinah in ein Ochsengespann hineingerannt, wenn der Knecht dem sonderbaren Kauz, der da mit gesenktem Kopf, eine ganze Fahne hinter sich herwehend, im wirbelnden Staube trappte, nicht im letzten Augenblick ein kräftiges „Öhöö“ entgegengerufen hätte. Und der Knecht hatte guten Grund, „Närrischer Teufel“ vor sich hin zu brummen, denn als er sich nach ihm umwandte, sah er ihn bereits wieder im Wagengleise mit hochgekrümmtem Rücken und zu Boden gesenktem Kopf Staubwolken aufwirbeln. Beatus Klingohr aber freute sich an den Staubsäulchen, die besonders neben der großen Zehe aufpufften, als hätten sie selber ihren springlebendigen Spaß daran. Und war es denn nicht auch wunderbar! Oft tanzten ganze Sonnenstrahlen in den wirbelnden Körnchen und gleich wieder sah es aus wie kreisende, winzige Welten. In seinem Frohmut kam ihm der Gedanke, unheimlichen Aufruhr anzustiften. Und schon verrichteten seine Füße gewaltige Pflugarbeit. Aber ein Fuß ist kein Pflug, und als die linke große Zehe unerwartet an einen im Staubmull vergrabenen Stein anstieß, dass vor seinen Augen Funken stoben, zuckte das glückselige Walzbrüderlein so jäh zusammen, dass die an ihm vorbeischießende Schwalbe gar nicht begreifen konnte, weshalb es mit seinem rechten Beine plötzlich so seltsam ins Knie schnappte und das linke verschnörkelt beinah bis zum Kinn hinaufzog. Eben hatte der Mensch noch so heiter getan und nun schnitt er Grimassen, dass es zum Gotterbarmen war. Sie sind doch rechte Komödianten, diese Menschen! Und die Schwalbe schoss weiter, mit offenem Schnabel kunstgerecht Insekt um Insekt im gleitenden Fluge haschend. Es konnte sich aber vielleicht verlohnen, so ein Menschlein wieder einmal genauer zu beobachten. Und so drehte die Seglerin und schoss zurück. Richtig! Da seht euch den sonderbaren Kauz an! Hat sich in den Straßengraben gehockt, hält die linke Großzehe in beiden Händen und drückt an ihr derart aus Leibeskräften, scheint’s, dass er vor Schmerz die Augen zukneifen muss. Was das für einen Sinn haben soll, das weiß der liebe Gott! Sind doch manchmal arg verrückte Querköpfe, die Menschen!

Beatus Klingohr aber ist so angelegentlich mit den Signalzeichen beschäftigt, die seine große Zehe zum Hirn hinauffunkt, dass er die neugierige Schwalbe gar nicht bemerkt. Diese aber stellt ihrerseits fest, dass die Schmerzgrimassen, die der ulkige Mensch aus einem unbekannten Grunde zieht, allmählich abflauen, während jener feststellt, dass die so unliebsam angerempelte Großzehe ganz wesentlich anschwillt.

Schließlich ist es, wie es immer ist. Geduld ist die größte Tugend – aber wer übt sie beharrlich! Und so scheint auch der Mensch da für seine Übungen nicht die nötige Ausdauer zu haben, denn plötzlich probiert er ganz merkwürdige Dinge mit der Zehe, vergisst vollkommen seine Grimassen, die er doch üben wollte, fährt in der Luft herum mit ihr, lässt sie knicksen und turnen und tupft sie dann mehrmals ganz vorsichtig auf die Erde. Was der Unsinn bedeuten soll, ist ja nicht herauszukriegen – es ist dies für gewöhnlich auch schwer, wenn eben keine rechte Ursache zu finden ist, die dem Gebaren zugrunde liegt. Doch so viel ist der Schwalbe klar: Der Mensch hat wie immer keine Ausdauer, wird schließlich der Sache überdrüssig und setzt seine Reise fort.

Kindisch und wenig dem wahren Lebensernst zuneigend, wie dieser Mensch schon zu sein scheint, lässt ihm aber der Übermut auch jetzt keine Ruhe. Statt sich seiner geraden Glieder zu erfreuen, muss er einen Hinkenden nachäffen! Aber er hat das gut weg; er macht es äußerst gelungen, wie er auftritt und den Stock setzt. Schließlich aber hat eine Schwalbe Wichtigeres zu tun, als hinter solchen Unsinnigkeiten herzufliegen, und so weiß sie nicht, was dieser Kauz noch alles getrieben haben mag.

Der hinkte noch eine Weile kläglich, fürsorglichst selbst dem kleinsten Steinchen ausweichend, verfiel aber allgemach wieder in strammen Wanderschritt und hatte seine Augen bald links, bald rechts von der obstbaumgesäumten Straße. Ringsum dehnte sich weites, hügeliges Fruchtland, das nach Süden zu die Wälder auseinanderdrängte und gelbe Gerste und grünen Klee die Hänge hinaufschob. Hinter diesen Wäldern ragten die hohen Vorberge der Alpen auf, auf deren Abhängen das gleißende Licht des heißen Sommertages wie ein zarter Silberhauch lag. Wahllos hingestreut im weiten Bauerngau lagen Dörfer, durch versteckte Straßen verbunden, die man nur an den endlosen Obstbaumzeilen erriet. Und allerorts Landvolk mit Pferde- und Ochsengespannen, die abgeernteten Kornfelder umpflügend.

Und über diesem üppigen Fruchtland brütet glühheiße Sonne, unter der alles reift, und große, weißballige Wolken schweben regungslos am tiefblauen Himmel.

Beatus ist so heiter wie der Tag selber und pfeift sich ein Lied ums andere.

 

 

Weitere Produktinformationen

Autor:

Hans Sterneder

Umfang: 384 Seiten
Art/Einband: Hardcover
ISBN 978-3-940964-00-7
PDF-Leseprobe: Herunterladen

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