Die Zwei und ihr Gestirn


Die Zwei und ihr Gestirn

Artikel-Nr.: EV-B-1008

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Astrologischer Roman

 

Ein astrologischer Roman, der in Schottland, Italien und Ägypten spielt und in sehr bunter Handlung an der Hand von Astrologie und Horoskopie die Probleme von Zufall oder Schicksal, Unsterblichkeit, Karma und Wiedergeburt [darlegt].“ (Hans Sterneder)

Ein junger schottischer Lord, ein italienischer Hirtenjunge und die Schicksalsfäden, die beide über Inkarnationen hinweg miteinander verweben. Das sind die Zutaten, aus denen Hans Sterneder diesen einzigartigen Roman über Reinkarnation, Karma und Unsterblichkeit zubereitet hat.

Der junge Lord Clarance O’Neill verliebt sich unsterblich in Isabel, die Tochter des Schlossgärtners. Eine Liaison, die für das alte schottische Adelsgeschlecht völlig inakzeptabel ist. Mit steinerner Härte stellen sich Großvater und Vater gegen die Verbindung. Clarence flieht nach Ägypten. Doch als die Ablehnung der Familie ihn auch dort trifft, hat er nur noch einen Zufluchtsort: Italien, Neapel und dort seinen Freund Nazzaro. Mit ihm verbindet Clarence eine innige Freundschaft seit Kindertagen. Bei ihm erhofft er sich Linderung seiner Seelenpein. Doch das Schicksal will es anders. In einer dramatischen Schlussszene findet das Karma der beiden Freunde seine Erfüllung.

 

 

Leseprobe

 

Der magische Kreis
(aus dem 4. Kapitel)

© 2009 Thomas Eich-Verlag, Werlenbach
Alle Rechte vorbehalten

 

Thomas Doo öffnete die Tür mit einem vierhörnigen Schlüssel, der zwei zusammengeschweißten Mondsicheln glich, und trat ein.

Der Raum war von geradezu verblüffender Nüchternheit. Die in den Ecken emporstrebenden Pfeiler trugen auf ihrem Knospenkapitäl das mit zierlichem Netzgebälk geschmückte Spitzbogengewölbe. Wände und Kuppel waren schlicht mit Kalk getüncht.

Breit fiel das silbrige Licht des Mondes durch das hohe Fenster herein, floss über den Fußboden und lag voll und gleißend auf der Platte eines pechschwarzen Eichentisches, der in der Mitte des Gelasses stand, in welchem sich nur noch ein ebensolcher Stuhl und Schrank befand.

Thomas Doo stellte den Armleuchter nieder, rückte Tisch und Stuhl derart, dass sie nach Osten standen, entnahm dem Schranke die magischen Utensilien, löschte die Kerzen und trat ans Fenster.

Bewegungslos lehnte er hier geraume Zeit, das grell beschienene Gesicht wie versteinert, sich in stärkster Konzentration mit der magischen Silberscheibe des Mondes verbindend, dabei tief und regelmäßig atmend. Sein edelgeschnittenes, tief durchgeistigtes Antlitz änderte sich zusehends, das Auge wurde seherisch.

Ruhig löste er sich vom Fenster, entzündete die beiden äußeren Kerzen. Machte mit locker gespreizten Fingern mehrere magnetische Striche über Tisch und Stuhl, ohne die Gegenstände zu berühren, und bedeckte sie dann mit schwarzen Seidentüchern.

Zeichnete mit der Kreide in ununterbrochener Linie ein weit über Mannesgröße ragendes Pentagramm, stellte Tisch und Stuhl darauf, zog in lückenloser Kurve um die fünf Zacken einen Kreis, seine Vereinigung mit ganz besonderer Sorgfalt schließend, gleichzeitig auf dessen Linie mit der Konzentrierung seines ganzen Willens den Akaschagürtel aufrichtend, der ihn undurchdringlicher wie Stahl und Granit vor der Berührung mit der Meeresflut fremder, im Raume schwebender Gedanken und astraler Wesen bewahrte und gleichzeitig jeden seiner eigenen Gedanken wie den in einen Käfig gesperrten Vogel festhielt. Dieser Akaschagürtel würde sich jedem Hellseher als hauchdünner Glassturz gewiesen haben, unter dem der Magier saß, vollkommen abgeschnitten von der geistigen Welt, so dass alles, was er von jetzt an dachte und seinem Kopfe als unvergängliche Wesenheit entstieg, gefangen war. Er beabsichtigte diese Nacht, unter der günstigen Konstellation des Mondes, Clarences Horoskop zu errechnen.

Nachdem er noch das heilige Pentagramm – einen goldenen Fünfstern an schwarzem Edelholzgriff – und die Horoskopscheibe aufgelegt hatte, begann er die Arbeit. Zahlen reihten sich an Zahlen, verbanden sich mit Winkelmaßen, Graden und Sternzeichen, marschierten in rastloser Emsigkeit über das schneeige Weiß der Blätter wie Bataillone anstürmender Soldaten und standen nun hier in scheinbar regungsloser Stummheit. Vor den Augen Sir Thomas Doos aber wandelten sie sich in geisterhafte Gestalten: lauernde Dämonen der Krankheit, Lichtengel des Glückes, Genien edler Veranlagungen, düstere Nornen der Schwermut, strenge Herolde der Gottheit.

Immer, wenn er sich niederbeugte, um einen Planeten in eines der Häuser des Himmels und in die Grade des Tierkreises einzuzeichnen, war es ein Teil Schicksal, das er niederschrieb.

Und die Strahlen der planetarischen Winkelanblickungen lösten sich seinem feinen Ohr als Musik und tönten in ihm als Lebenslied. Es war ein edel feierlicher Sang, der sich da formte, doch die Harmonie der Trigone und Sextile wurde immer mehr von dem wilden Donnergedröhn und Blitzgezuck der feindseligen Quadraturen gestört. Dazu schritt Merkur der Sonne voraus, was eine kurze Lebensbahn anzeigte.

Immer ernster wurde das Gesicht des Sehers. Plötzlich verspürte er das unbehagliche, ihm nur zu gut bekannte Gefühl im Sonnengeflecht über seiner Magengrube und das starke Wehen von Eisesschauern; ruhig hob er das Antlitz, und – mit hartem, festem Auge das furchtbare Wesen fassend, das lauernd am Rande des magischen Kreises stand und ihn mit Blicken ansah, die das Mark eines gewöhnlichen Sterblichen erstarrt hätten, falls er nicht unter dieser grässlichen Erscheinung in sofortigen Wahnsinn verfallen wäre – nahm er das heilige Pentagramm und hob es abwehrend gegen den gefürchteten Dämon. Um den Kreis kroch und krümmte es sich in den phantastischen Gebilden der Elementarwelt, die daraufhin sogleich ins Nichts verschwanden. Nur das furchtbare Unwesen bewegte sich nicht und hielt den Flackerblick seiner glutrot in den Höhlen liegenden Augen hasserfüllt auf das heilige Zeichen gerichtet, dabei die eisigen Ströme seiner Intelligenz mit aller Macht auf den Magier sendend.

Da entzündete der Meister, die große Gefahr wissend, eilig das Weihrauchbecken, warf einen alten, mit kabbalistischen Zeichen bedeckten Pergamentstreifen in die aufwallenden Dämpfe, streckte das magische Schwert machtvoll gegen das Ungeheuer und rief: „Adonai, im Namen des dreieinigen Gottes, befehle ich dir: – weiche!“

Da begann das Phantom zu schwanken, wildeste Wut verzerrte sein Gesicht, blitzjäh war es verschwunden.

Thomas Doo rechnete gelassen weiter.

Längst hatte der Mond das Fenster gewechselt und seinen Lichtstreif behutsam aus der Turmstube gezogen; nun schickte er sich seit zwei Stunden an, ihn ganz langsam wieder zum anderen Fenster hereinzurollen.

Die Wachskerzen waren tief herabgebrannt.

Endlich legte Doo die Feder weg; das Horoskop war fertig. Sinnend saß er, beide Hände an die Schläfen gestützt, geraume Zeit über der karmischen Sternenscheibe. Auf seinem Antlitz lag großer Ernst.

„Schicksal! Erhabenes, ewiges Schicksal!“, murmelten seine Lippen; dann legte er langsam die Bogen zusammen.

Lange Zeit war er hernach noch beschäftigt, alle Gedanken zu zerstören, damit keiner zu Clarences sensitiver Seele dringen konnte. Als Letztes löste er die Akaschamauer über dem magischen Kreise auf.

Ruhig trat er nun ans Fenster. Der Mond stand tief am Himmel.

Wieder blickte der geheimnisvolle, einsame Mann lange in das weiche, intuitive Licht. Die himmlische Schicksalstafel funkelte im Glanz aller Sterne … Auf dem schwarzen Eichentische verlöschten plötzlich, wie von einem Hauche ausgeblasen, die beiden Kerzen.

In diesem Augenblicke schloss sich vor dem entrückten Auge des Versunkenen der ganze, gleißende Sternenhimmel zu einer Einheit zusammen und stand vor ihm als der riesenhafte Mensch des Makrokosmos: der Adam Kadmon.

Und mit einem Male wandelte sich das Bild, und der Himmelsriese hielt in seinen Händen klar und deutlich die Gestalt Clarence O’Neills, genauso wie auf den Gemälden der alten deutschen Meister Gottvater den gekreuzigten in seinen Händen hält.

Es war ein namenloser Zug des Friedens in dem Antlitz des Sohnes …

 

 

Weitere Produktinformationen

Autor:

Hans Sterneder

Umfang: 320 Seiten
Art/Einband: Hardcover
ISBN 978-3-940964-07-6

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