Frühling im Dorf


Frühling im Dorf

Artikel-Nr.: EV-B-1013

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Tagebuch eines Besinnlichen

 

Was ist das in mir, dieses Unnennbare, das mich oft in den glücklichsten Stunden meines Lebens heiß und brennend überfällt? Diese unheimliche Sehnsucht nach irgendetwas, das so groß und unergründbar ist, dass es mir das Herz bedrängt? Das nicht nach einem Ding der Erde geht, nicht nach Liebe, Ruhm oder Ähnlichem verlangt. Was ist es, dieses seltsame Verlangen, eins zu werden mit einem unvorstellbar Hohen, Reinen, Großen? Dieses Sich-Vereinenwollen mit einem gewaltig Vorhandenen und dennoch nicht Vorstellbaren, einer Macht, einem Odem! Ich habe viel nachgedacht darüber und weiß jetzt, dass diese nothafte Lichtsehnsucht Heimweh ist! Heimwehverlangen nach dem Schoß und Ziel unseres Lebens! Urheimweh nach letzter, beglückendster Geborgenheit in Gott!“ (Hans Sterneder)

Ein hochinteressantes und abwechslungsreiches Buch in Tagebuchform. Hier offenbart sich die vielgestaltige Weltsicht Hans Sterneders. Volkskundliche Hinweise auf altes Brauchtum und Bauernwissen stehen gleichberechtigt neben Naturbeobachtungen, mystischen Erfahrungen, alltäglichen Begebenheiten und spirituellen Erkenntnissen.

Die Wiener Volkszeitung bezeichnete „Frühling im Dorf“ 1928 als Sterneders „gereiftestes, innigstes und innerlichstes Werk, das Bekenntnisbuch eines wahrhaftigen Dichters, Gestalters, Sehers und Predigers.“ Und der Berliner Lokalanzeiger nannte es „ein Buch für stille Stunden, von dem man wünschen möchte, dass es recht viele Leser findet.“

 

 

Leseprobe

 

Heubodennächte meiner Jugend

© 2010 Thomas Eich-Verlag, Werlenbach
Alle Rechte vorbehalten

 

Als ich noch ein Bub war und bei meiner Großmutter in dem kleinen Bauerndorf lebte – Tag um Tag mutterseelenallein, bis sie abends aus der Tagelöhnerei bei den Bauern heimkam –, liebte ich nichts mehr, als wenn wir im Sommer auf den Dachboden stiegen und uns im duftenden Heu zur Ruh legten. Wie war da die Stille geheimnisvoll! Großmutter war müde und schlief rasch ein. Dann war ich allein in der lautlosen, beinah unheimlichen Dunkelheit, die ich allein nicht ertragen hätte und die nun für mich, weil die Großmutter neben mir lag, so reizvoll war.

Ich machte mir keine Gedanken dortmals, warum ich die undurchdringliche Dunkelheit und die Stille so liebte, warum ich mich Tag um Tag auf beides freute und das Einbrechen der Nacht kaum erwarten konnte.

Und dann lag ich regungslos, mein Herz pochte und alles in mir lauschte.

Und meine Seele kam in prickelnde Erregung in diesen Stunden voll einer unerklärlichen Macht.

Ab und zu knackte es leise im uralten Gebälk des Giebels, scharrte es gruselig über die verwitterten sonnzersprungenen Schindeln: die scharfen, hornigen Krallen einer schleichenden Katze. Und wenn ich meinen Kopf ein wenig hob und zur Seite drehte, blitzte irgendein Himmelsstern in die Finsternis.

Meist aber lag ich regungslos, wie von einer unsichtbaren Macht bezwungen und horchte in die Stille.

Und plötzlich begann es zu raunen, leise und heimlich, dass es mir den Atem benahm. Und ich wurde ganz verwirrt, denn ich konnte nie ergründen, woher die Stimme kam.

Und ich bin jedes Mal schließlich zwischen Gruseln und unerklärlicher Lust eingeschlafen und habe nie hinter das Geheimnis der rätselhaften Stimme kommen können.

Viele Jahre sind seither verflossen; das Schicksal hat mich aus dem Dorf und dem winzigen Häuschen meiner Großmutter geweht. Ich habe Lust und Leid der Erde in hohem Maß erlebt und Dinge erfahren dürfen, die andere Menschen ein Leben lang nicht einmal ahnen. Und wenn ich heute wieder „in die Stille gehe“, ist diese geheimnisvolle Stimme meiner Kindheitstage noch eben so klar in mir, nur dass ich heute weiß, wer zu mir redet.

Ein Vierteljahrtausend vor meinen Jugendtagen aber hat der mystisch erleuchtete Geist des großen Deutschen Angelus Silesius diese flammenden Worte mit seiner selbstgeschnittenen Kielfeder aufs Papier geschrieben:

Je mehr du dich aus dir kannst austun und entgießen,
Je mehr muss Gott in dich mit Seiner Gottheit fließen.

 

 

Weitere Produktinformationen

Autor:

Hans Sterneder

Umfang: 210 Seiten
Art/Einband: Hardcover
ISBN 978-3-940964-12-0

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