Kampf um den Garten Gottes


Kampf um den Garten Gottes

Artikel-Nr.: EV-B-1015

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Märchenhafter, spiritueller Abenteuerroman

 

Unzählige Geheimnisse birgt die Schöpfung, von denen wir Menschen nichts mehr wissen, nicht einmal mehr etwas ahnen. Wir können zwar vieles mit dem Verstand erklären, wodurch die Wunder der Schöpfung für uns das Wunderbare verlieren, aber den tieferen Sinn und die inneren Zusammenhänge in der Natur kennen wir nicht mehr. Wir haben das Wissen verloren, welche Herrlichkeit der Schöpfer für diese Erde bestimmt hat.“ (Thomas Eich)

Es war schon immer etwas Geheimnisvolles um den Grauen Forst, jenen dunklen Wald im Osten des Reiches. Seit Menschengedenken gilt er als undurchdringlich. Deshalb hat der König sich auf Drängen seiner Minister entschlossen, den Forst roden zu lassen. Doch dann kommt alles ganz anders ...

Seit ein paar Tagen geht etwas vor im Grauen Forst. Er ist wie tot. Kein Leben regt sich. Keine Vögel, keine Tiere. Kein Laut ist zu hören. Beunruhigt steht Stefan, ein Handwerksbursche aus der Gegend, am Waldrand und schaut in das dichte Gehölz. Was mag hier vor sich gehen?

An diesem Morgen bricht er auf, um ins Herz des Waldes vorzudringen. Doch was er erlebt, übersteigt alles, was er bis dahin kannte. Er verlässt den Wald mit einem Auftrag und zieht zum König. Der Graue Forst ist einer der letzten Gärten Gottes, er darf nicht abgeholzt werden. Stefan will es verhindern. Ein gefährliches Abenteuer beginnt. Stefan kämpft nicht nur um den Erhalt des Waldes, er durchschaut auch die geistigen Hintergründe der Schöpfung, begegnet Naturgeistern und erfährt von den „Großen Brüdern“, den geistigen Helfern der Menschheit.

Der „Kampf um den Garten Gottes“ ist eine unterhaltsame Geschichte voller tiefgründiger Weisheit, ein buntes Abenteuer und eine spirituelle Reise, ein äußerer Kampf und ein inneres Ringen, Lesespaß und Erkenntnisgewinn, eine abenteuerliche Geschichte und ein Aufruf zu bewusstem und ehrfürchtigem Umgang mit der Natur.

 

 

Leseprobe

 

Die lange Reise

© 2009 Thomas Eich-Verlag, Werlenbach
Alle Rechte vorbehalten

 

Als die Kutsche vor dem „Walzenden Stiefel“ hielt, war bereits feuchte Dämmerung in die Straßen gekrochen. Stefan stieg aus, schlug seinen Kragen hoch und ging auf das hell erleuchtete Portal zu. Vor der Tür blieb er stehen und atmete genüsslich die würzige Luft freien Vagabundenlebens ein, die ihm hier entgegenschlug. Dann trat er ein. Er hatte den schwarzen Schatten nicht bemerkt, der ihm vom Schloss her gefolgt war und mit finsterer Miene beobachtete, wie er in der Herberge verschwand.

Der Schankraum war fast leer. Die meisten Kunden waren noch unterwegs. Nur wenige Tische waren besetzt. Nahe beim Ofen saßen Bartholomé und Goliath. Schnell eilte Stefan zu ihnen und begrüßte sie. Er freute sich, die Freunde wiederzusehen, und schlug ihnen ausgelassen auf die Schultern.

Die Freude der beiden Landstreicher aber hielt sich in Grenzen. Sie bemühten sich, fröhlich zu wirken, aber es gelang ihnen nur schwer. In ihren Augen glomm etwas wie Furcht.

„Was ist los?“, scherzte Stefan, „Kennt ihr mich nicht mehr? Ich bins, Stefan. Nur weil ich edlen Zwirn trage, bin ich doch kein anderer Mensch.

Wirt, bring mir auch einen Schoppen. Na, wie geht's euch, sind die Stiefel noch ganz? Und was macht Janosch, ist er schon aufgebrochen zu seiner langen Reise?“

„Ja-a“, stammelte Goliath, „er ist schon aufgebrochen, schon vor einigen Wochen, er ist ...“

Der Hüne brach ab und blickte dumpf in sein Glas.

„Schade“, Stefan zuckte die Achseln, „ich hätte etwas, das ihn freuen würde. Wisst ihr nicht, wo ich ihn erreichen kann? Ich will ihm eine Nachricht zuschicken.“

„Stefan, wir müssen dir etwas sagen.“

Bartholomés Stimme klang schwer und ernst. Erst jetzt merkte Stefan, dass etwas nicht stimmte. Eine grausige Ahnung stieg in ihm auf.

„Ist etwas passiert? Was ist mit Janosch?“

„Stefan, Janosch ist tot.“

„Tot? Aber ...“

„Ja, tot. Am Heiligen Abend ist er gestorben.“

„Am Heiligen Abend? Nein. Nein, das kann nicht sein. Am Heiligen Abend habe ich doch noch mit ihm gesprochen, da ging es ihm noch gut, und er sprach von einer langen Reise, die er ...“

Stefan hielt inne. Die lange Reise. Verzweifelt blickte er von einem zum anderen.

„Die lange Reise?“

Bartholomé nickte. „Er hatte es schon lange geahnt. Seine Zeit war abgelaufen.“

„Aber ... warum hat er mir nichts gesagt?

„Er hat es dir gesagt, Stefan, du hast es nur nicht verstanden.“

„Nicht verstanden ... Ja. Nicht verstanden. Er hat es gesagt. Die lange Reise ... Er hat es gesagt und ich habe es nicht verstanden, ich habe gedacht ...“

Er stützte seinen Kopf auf die Hand und seufzte.

„Ich habe gedacht, er wollte verreisen.“

Lautlos schluchzte er auf. Eine Träne nach der anderen tropfte auf den Tisch. Der Wirt kam, stellte ihm ein Glas Wein hin und klopfte ihm tröstend auf die Schulter. Auch Bartholomé und Goliath wollten ihn trösten. Der Hüne rutschte – selbst den Tränen nahe – mit seinem Stuhl dicht zu Stefan heran und legte ihm den Arm um die Schulter. Der Sänger griff zu seiner Laute und stimmte ein Lied an:


„Es war ein Schnitter mit Namen Tod,
der ging durchs weite Land.
Er fand den Bettler in der Not
und reichte ihm die Hand.
Da legte der Bettler sein Bündel fort
und folgte dem Schnitter an einsamen Ort.


Der Schnitter aber führte ihn
hinaus aus arger Not.
Er führte ihn mit Lust dorthin,
wo er fand seinen Gott.
Da beugte der Bettler sein Haupt zur Erd
und schaute, was er stets zu schauen begehrt.


Des Bettlers Leib, der lag im Staub,
der Tod schritt seine Bahn.
Der Leichnam aber blieb zum Raub
der Erde und dem Wahn.
Der Bettler hingegen, der war nicht tot,
er schaut das ewige Morgenrot.“
 

Stille, lautlose Stille breitete sich aus. Niemand sprach ein Wort. Batholomé legte sein Instrument zur Seite, Goliath stand auf und verließ den Raum und die zuletzt Gekommenen standen, die Hüte vor die Brust gedrückt, in der Tür und blickten zu Boden.

Stefan stand auf und sah sich um. Ihm war, als müsse Janosch jeden Moment aus einem Versteck hervortreten, ihn anlachen und alles als einen Scherz abtun.

Aber Janosch kam nicht. Er war nicht da, nicht hinter ihm, nicht neben ihm, nicht sonst wo im Raum. Er war nicht mehr.

Enttäuscht wandte Stefan sich dem Sänger zu und reichte ihm die Hand, dankte für das Lied und ging zum Fenster. Er musste sich bücken, um hinaussehen zu können. Feuchte Nebel krochen durch die Gassen.

Er schloss die Augen. Janosch tot. Der beste Freund, den er hatte, der um seine Aufgabe wusste und den er von Herzen liebte – tot. Er konnte es nicht fassen. Eine ganze Weile stand er, die Augen geschlossen, die zitternden Hände auf die schmale Fensterbank gestützt, und weinte.

Nach einer Weile legte sich eine freundliche Hand auf seinen Arm und eine wohlwollende Stimme sagte:

„Er hat dir einen Brief hinterlassen, Stefan, komm, ich gebe ihn dir.“

Verstört sah Stefan auf.

„Einen Brief?“

„Ja“, Bartholomé nickte aufmunternd, „komm, er hat ihn in den letzten Augenblicken seines Lebens geschrieben. Danach ist er gestorben. Komm mit!“

Bartholomé ging in den hinteren Flur, dann die Treppe hinauf und in eine kleine Kammer.

„Das war sein Zimmer. Der Wirt hat es so gelassen, wie es war, als er starb. Es ist alles unverändert.“

Wie im Traum sah Stefan sich um. Das Bett, der Tisch, der Stuhl, der kleine Schrank. Hier hatte er also gelebt – und hier war er gestorben.

„Das ist der Brief.“

Aus einer Schublade nahm Bartholomé ein sorgsam gefaltetes Papier und reichte es Stefan.

„Wenn du mich brauchst, ich bin unten.“

Stefan war allein. Dumpf starrte er auf den Brief in seiner Hand, setzte sich müde und schwerfällig auf den Stuhl und entfaltete das Papier. Es waren mehrere Blätter, eng beschrieben in der freundlichen Schrift seines greisen Freundes. Wieder liefen ihm Tränen über die Wangen. Die Schrift verschwamm vor seinen Augen, und obwohl er sich beherrschen wollte, dauerte es einige Minuten, eh er den Brief lesen konnte. Doch schließlich presste er die zitternden Lippen aufeinander und las:

„Mein lieber Stefan,

wenn du diese Zeilen liest, habe ich die lange Reise bereits angetreten. Ich wusste, dass du mich nicht verstehen würdest, wenn ich dir von der Reise und dem Ruf, der an mich ergangen ist, erzähle. Die Jugend denkt noch nicht ans Sterben. Aber ich konnte nicht ohne Abschied von dir gehen. Ich musste dir Lebewohl sagen, ehe ich dem Ruf folge.

Ich hatte immer geglaubt, wenn die Stunde da sei, könne ich leicht hinübergehen, mich leicht von allem trennen. Doch es ist gar nicht so leicht, den Schritt ins Ungewisse zu wagen. Was wird mich erwarten?

Aber ich glaube, dass der Herrgott mich auch weiterhin führen und mir auch in fremden Welten zur Seite sein wird. Außerdem freue ich mich, meine Brüder wiederzusehen und in ihren Kreis zurückzukehren. Endlich werden die Bande der Materie, der Erdenschwere, von mir fallen und ich werde frei sein.

Doch zurück zu dir, mein Freund. Es war mir nicht leicht, Abschied von dir zu nehmen, habe ich dich doch gerade erst wiedergefunden. Aber so ist das nun mal im Leben. Alles hat seine Zeit und seine Stunde. So müssen wir uns nach wenigen Wochen schon wieder trennen. Doch wisse: Mögen auch Welten zwischen uns liegen, ich werde dich nicht vergessen. Ich liebe dich wie einen Sohn, aber auch wie einen Bruder, und ich bin mir ganz sicher, dass sich unsere Wege eines Tages wieder kreuzen werden, wie sie es schon so oft getan haben.

Erinnerst du dich noch an jenen Abend vor einigen Jahren, als du, von kaltem Fieber und trockenem Husten gezeichnet, in einer Waldherberge gelegen hattest und der Tod dir nahe war? Ich zumindest erinnere mich noch gut daran.

Als der Wirt mir erzählte, er habe einen jungen Mann im Haus, der den nächsten Sonnenaufgang wohl nicht mehr erleben würde, befiehl mich ein eigenartiger Drang, diesen jungen Menschen aufzusuchen. Ich fragte den Wirt und er führte mich zu dir.

Als ich dich so daliegen sah, wurde mir plötzlich der Blick geöffnet, und ich durfte deine Seele schauen. In diesem Moment sah ich die Bande, die dein Schicksal mit dem meinen verknüpfen. Ich wusste plötzlich, dass deine Stunde noch nicht gekommen, dein Lebenskeim noch nicht erloschen war. Und ich wusste auch, dass sich unsere Wege noch einmal kreuzen würden.“

Stefan ließ den Brief sinken und starrte ungläubig ins Leere. War das möglich?

Er erinnerte sich noch genau an jene Tage im Herbst nach Abschluss seiner Lehre, als er sich mit letzter Kraft durch den Wald geschleppt hatte und auf der Schwelle des Wirtshauses zusammengebrochen war. Als er wieder zu sich gekommen war, hatte er in einem weichen Bett gelegen. Ein vornehmer Herr hatte sich über ihn gebeugt, sich abgewandt und den Kopf geschüttelt. Wie durch dichte Nebelschleier hatte er gehört, wie jemand nach dem Priester rief, dann war es wieder Nacht um ihn geworden. Als er das nächste Mal erwacht, war er gesund gewesen. Der Wirt hatte sich bekreuzigt und der Arzt von einem Wunder gesprochen. Dann hatten sie erzählt, ein alter Vagabund habe sich an sein Bett gesetzt, ihm einen sämigen Trunk eingeflößt und für ihn gebetet. Schon nach wenigen Minuten sei das Fieber gewichen, der Alte aber sei noch in der gleichen Nacht weitergezogen.

Sollte Janosch dieser Vagabund gewesen sein, der ihm damals das Leben gerettet hatte? Er schüttelte fassungslos den Kopf. Wie wunderlich die Wege des Schicksals doch waren!

Wieder schossen ihm Tränen in die Augen. Er legte den Brief auf den Tisch und stand auf. Es hatte angefangen zu regnen. Schwer prasselten dicke Tropfen ans Fenster. Stefan blickte hinaus in die dunkle Nacht. Janosch hatte ihm damals das Leben gerettet. Immer wieder schüttelte er den Kopf. Erst nach einigen Minuten wandte er sich wieder dem Brief zu und las weiter.

 

 

Weitere Produktinformationen

Autor:

Thomas Eich

Umfang: 320 Seiten
Art/Einband: Hardcover
ISBN 978-3-940964-14-4

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