Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker – Teil 1

Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker – Teil 1

Eine der liebenswürdigsten Dichterpersönlichkeiten Österreichs


Prof. h. c. Hans Sterneder (1889-1981) war ein österreichischer Dichter und Mystiker, Träger des höchsten Ordens für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, Mitglied im österreichischen P. E. N. und im V. G. S. (Verband der geistig Schaffenden Österreichs). Sterneder verfasste
Landstreicher-, Entwicklungs- und Einweihungsromane, Hymnen, Mysterienspiele und spirituelle Sachbücher. In den 1920er Jahren zählte er zu den bedeutendsten Vertretern einer neuen deutschen Romantik. Später galt er als Dichter des Menschheits-Urwissens.

 

TEIL 1: DER MENSCH

„Ein Mensch, der aus den Reichen der geistigen Welt, aus den „Himmeln“, das Wasser kosmisch geistiger Erkenntnis bekam und diese Erkenntnisse nun an die geistig Durstenden und danach verlangenden Menschen weitergibt.“ (F. Dietrich, 1969)

Hans Sterneder wurde am 7. Februar 1889 als unehelicher Sohn eines Gutsbesitzersohnes und einer Bauernmagd in Eggendorf/Niederösterreich geboren. In der Nähe des Benediktinerstifts Göttweik erlebte er eine wechselvolle, aber glückliche Kindheit inmitten der üppigen Natur des Waldviertels nahe Krems an der Donau. Zunächst lebte er in der Armeleuthausung der Großmutter, dann auf dem Rittergut des reichen Großvaters.

Nach der Matura (Abitur) trafen ihn mehrere Schicksalsschläge und trieben ihn hinaus auf die Landstraße. Von 1909 bis 1911 zog er knapp drei Jahre als Walzbruder quer durch Europa. Dabei lernte er unter anderem den Naturforscher Ernst Haeckel, den Maler Hans Thoma und den Schriftsteller Hermann Löns kennen und freundete sich mit ihnen an.

Nach seinen Wanderjahren wurde er auf Drängen der reichen Verwandtschaft Bahnbeamter. Doch die staubige Amtsstube war für ihn, den Naturmenschen, nur schwer zu ertragen, er fühlte sich eigenen Angaben zufolge „wie ein gefangener Adler im Käfig“.

Durch Vermittlung von Peter Rosegger lernte er den Dichter Richard Voß kennen, dem er um 1912 seine erste Erzählung sandte. Das Urteil des bekannten Schriftstellers:

„Du bist ein Dichter und wirst bestimmt ein guter Dichter“.

Voß lud Sterneder zu sich ein und wurde sein väterlicher Freund und Förderer. Er finanzierte ihm die Ausbildung zum Volksschullehrer, und Sterneder verbrachte viel Zeit auf Voß’ Landsitz in der Nähe von Berchtesgaden, der damals ein Treffpunkt von Aristokratie und Hochfinanz, aber auch ein Sammelplatz höchster Geistigkeit war. Hier lernte er unter anderem Rainer Maria Rilke, Paul Heyse und Hugo von Hofmannsthal kennen.

Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde Sterneder Lehrer in niederösterreichischen Gebirgsdörfern. In der Beschaulichkeit dieser Dörfer entfaltete sich sein literarisches Schaffen. Doch es war anfangs nicht von Erfolg gekrönt. 1916 war sein erster Roman fertig, aber kein Verlag wollte ihn herausbringen.

Erst durch Vermittlung des letzten kaiserlichen Burgtheater-Direktors Hofrat von Millenkovich erschien Sterneders Erstling Der Bauernstudent 1921 im renommierten Leipziger L.-Staackmann-Verlag. Staackmann hatte zu dieser Zeit viele österreichische Schriftsteller unter Vertrag und wurde bis in die 40er Jahre hinein Sterneders Hausverlag.

Der Bauernstudent war sehr erfolgreich und erschien schon 1922 in vierter Auflage. Ebenfalls 1922 erschien Sterneders zweiter Roman Der Sonnenbruder, 1924 gefolgt von seinem Einweihungsroman Der Wunderapostel. Schnell fanden Sterneders Werke ihre Lesergemeinde. Noch in den 1920er Jahren erhielt er vom österreichischen Staat eine Ehrenpensionierung und bis 1938 veröffentlichte er insgesamt zehn Bücher.

Von den Nationalsozialisten wurde Sterneders literarisches Werk als „okkult“ eingestuft und durfte nach dem Anschluss Österreichs 1938 nicht mehr publiziert werden. Zwei 1941 und 1942 in Wien angefertigte Dissertationen über sein Schaffen hatten zum Teil das Ziel, den Vorwurf des „Okkultismus“ zu entkräften. Trotzdem wurde er 1944 von der Gestapo inhaftiert und eingekerkert. Im gleichen Jahr wurde der Staackmann-Verlag durch einen Bombenangriff zerstört und mit ihm Sterneders Lebenswerk.

Nach seiner Befreiung aus der Gestapo-Haft nach Kriegsende musste Hans Sterneder sich eine neue Existenz aufbauen und übersiedelte nach Bregenz. Durch die Kerkerhaft gesundheitlich geschwächt, konnte er viele Jahre gar nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten. Erst nach und nach gelang es ihm, seine Bücher neu aufzulegen.

Als 1956 sein erstes Nachkriegsbuch Tierkreisgeheimnis und Menschenleben erschien, lag seine letzte Buchveröffentlichung bereits 18 Jahre zurück. Obwohl in der Folgezeit mit Die große Verwandlung und Also spricht die Cheops-Pyramide weitere Meisterwerke der Einweihungsliteratur entstanden, konnte Sterneder nie an seine Erfolge der 1920er und 1930er Jahre anknüpfen. Seine Bücher fanden nur noch Platz in esoterischen Verlagen und spielten im sonstigen Literaturbetrieb kaum noch eine Rolle.

Trotzdem wurde ihm nach wie vor hohe Anerkennung entgegengebracht. 1960 erhielt er einen Ehrenprofessorentitel und 1976 überreichte ihm der Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Herbert Keßler das österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse. Der Schriftsteller Carl Egmont Paar nannte ihn in seiner Anthologie „Lyrik 1965“ eine der „liebenswürdigsten Dichterpersönlichkeiten Österreichs“.

Hans Sterneder starb am 24. März 1981 im Alter von 92 Jahren in Bregenz und wurde in einem Ehrengrab der Stadt Krems beigesetzt.

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Lesen Sie hier die weiteren Teile der Reihe „Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker“:

Teil 2: DER DICHTER

Teil 3: DER MYSTIKER

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