Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker – Teil 2

Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker – Teil 2

„Welch ein sinnig feiner Poet“


Hans Sterneder
(1889-1981) war ein bekannter österreichischer Schriftsteller, dekoriert mit einem Ehren-Professor-Titel und dem höchsten Orden für Kunst und Wissenschaft I. Klasse. Er verfasste Landstreicher-, Entwicklungs- und Einweihungsromane, Hymnen, Mysterienspiele und spirituelle Sachbücher. Er war Mitglied im österreichischen P.E.N., gilt als
Künder und Deuter des menschlichen Urwissens“ und ist einer der großen Wegbereiter moderner Spiritualität.

 

TEIL 2: DER DICHTER

„Und das ist Hans Sterneder wohl ohne Zweifel: Ein kosmosophischer Denker, der auch in seinen dichterischen Büchern immer und immer wieder von der Kraft des All-Einen kündet, vom Tierkreis als dem Ur-Gerüst alles Lebens.“ (Paul Wimmer)

In den 1920er Jahren reagierte die Kritik teilweise nahezu euphorisch auf Sterneders erste Romane und stellte ihn schnell auf eine Stufe mit bekannten Schriftstellern wie Adalbert Stifter, Gerhard Hauptmann oder Gottfried Keller.

Dr. Friedrich Castelle beispielsweise nannte Sterneder „ein Stück Thoma in der Dichtkunst“ (gemeint ist der Maler Hans Thoma) und zählte seinen ersten Roman Der Bauernstudentzu den wertvollsten der Gegenwart“.

Ida Bon-Ed sah Sterneders Erstling „von einer tiefen Freude an Natur und heimatlicher Erde erfüllt“ und schrieb weiter: „Ich kenne den Geschmack anderer Leute nicht, aber was mich betrifft, so ruht es meine Seele aus, solch gesundes, stilles Buch zu lesen.“

Auch Karl Strecker zeigte sich beeindruckt: „Es liegt viel Sonne auf den Blättern dieses Buches … Welch ein sinnig feiner Poet.“

Sterneders zweiter Roman Der Sonnenbruder stieß auf ähnlich positive Resonanz. Dr. Egbert Delpy bezeichnete ihn in der Rheinisch-Westfälischen Zeitung als „dichterische Glanzleistung“ und Franz Carl Endres als „ein Geschenk an das deutsche Volk, wie ich kein schöneres weiß.“

Adolf Potthoff jubelte geradezu:

„Das Hohelied der Landstraße, wie es seit Eichendorff nicht wieder erklungen ist. […] Ich wüsste nicht, wann ich in einem modernen Buche ein Kapitel von der poetischen Kraft gelesen hätte, wie es das erste Kapitel des Landstreicherromans ist. Dieses Verbundensein mit der Natur, dieses Weben und Leben mit Baum und Strauch, diese geradezu franziskanische Versunkenheit in die Wunder der Welt und dieses edle Menschentum in den ‚Sonnenbrüdern‘, die hier durch Sonne und Regen, durch Schnee und Eis über die Straßen der Erde laufen, heimatlos überall und doch in der Natur zu Hause wie der König in seinem Palaste nicht daheim sein kann – das ist etwas ganz Wunderbares.“

Die Schwäbische Tageszeitung schrieb: „Das deutsche Schrifttum ist durch dieses Buch um einen der schönsten Romane der neuen deutschen Romantik bereichert worden. Ein Reichtum innerlichen Erlebens, eine Fülle stimmungsvoller Bilder aus deutschen Landen und mitten drin Menschenfreundschaften von bezwingender Treuherzigkeit.“

Der Reichslandbund sprach von einem „Meisterstück, das für den weiteren Werdegang des Bauerndichters zu hohen Erwartungen berechtigt“, und die Berliner Morgenzeitung schrieb: „In wundervollen Bildern deutscher Landschaften, in prächtigen Menschen, im Stimmungszauber märchenhafter Romantik offenbart sich die kosmische Sehnsucht, die, wie in dem Verfasser, auch in vielen Menschen unserer Tage lebt. Ihnen vermag dieses Buch Richtung und feierliche Erhebung zu geben.“

Die Tägliche Rundschau, Berlin, schrieb über Sterneders dritten Roman Der Wunderapostel:

Es ist ein Buch, das durch den geistigen Reichtum seiner Gedanken derart anregt und befruchtet, dass man alles andere darüber vergisst.“

Die Rheinisch-Westfälische Zeitung bewertete den „Wunderapostel“ als die „Schöpfung eines intuitiven Dichtergeistes von zwingender Gewalt“ und als „eine der wundervollsten Leistungen in der Romandichtung der Zeit nach 1900“. Sie stellte Sterneder „in die erste Reihe unserer deutschen Epiker überhaupt“.

Wilhelm Schwaner sah im „Wunderapostel“ „das beste, größte und tiefste Buch, das ich je gelesen habe“, und Ludwig Huna sprach von einem „berauschenden Dithyrambus von Lebensfreude, der einen mitreißt: hin zum Weben der Gottheit, das man jeden Augenblick zu hören, zu sehen, sicher aber zu fühlen meint! Dieses Werk hat einen namenlosen Reichtum in meine Seele gelegt, und ich werde zeitlebens von seinen Schönheiten und Weisheiten nicht loskommen.“

Der bekannte Fotograf Kurt Hielscher hatte in Sonnenbruder und Wunderapostel etwas gefunden, was er nicht für möglich gehalten hatte:

„Ich bin Jahr um Jahr durch Deutschlands Herrlichkeit, durch die Wundergartenpracht Italiens, durch die sonnendurchlohte Toteinsamkeit der Hochebene Spaniens gezogen und habe Herz und Augen geöffnet für alle Wunder der Natur, habe aber stets geglaubt, dass sich dies seligste Wanderglück nicht mit Worten ausdrücken lässt. Doch da hat mir das Schicksal Hans Sterneders ‚Sonnenbruder‘ und ‚Wunderapostel‘ in die Hand gegeben und aus ihnen ist mir mit überwältigender Wucht all das entgegengeströmt, was hehrstes Naturerleben, inbrünstigste Gottoffenbarung meiner Wanderseligkeit war. Deutscher, willst du den Geist Gottes und der Natur dich umwehen fühlen, von dem ich geglaubt, dass er unverkündbar sei, dann lies diese Bücher.“

* * *

Lesen Sie hier die weiteren Teile der Reihe „Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker“:

Teil 1: DER MENSCH

Teil 3: DER MYSTIKER

Die Kommentare sind geschloßen.