Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker – Teil 3

Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker – Teil 3

In allem Seele und Geist entdecken


Schon seine ersten beiden Romane Der Bauernstudent und Der Sonnenbruder machten Hans Sterneder zu einem über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Schriftsteller. Sein dritter Roman „Der Wunderapostel“ machte ihn dann zu dem, weshalb F. Dietrich ihn später einen „Künder und Deuter des menschlichen Urwissens“ nannte und einen
begnadeten Wegweiser zum Urquell aller Weisheit, Schönheit und Liebe“ – Hans Sterneder war einer der großen Mystiker des 20. Jahrhunderts.

 

TEIL 3: DER MYSTIKER

„Dieses Buch stürzt Religionen und baut eine einzige Religion auf: die der Liebe! Und dieser berauschende Dithyrambus von Lebensfreude, der einen mitreißt: hin zum Weben der Gottheit, das man jeden Augenblick zu hören, zu sehen, sicher aber zu fühlen meint! Dieses Werk hat einen namenlosen Reichtum in meine Seele gelegt, und ich werde zeitlebens von seinen Schönheiten und Weisheiten nicht loskommen.“ (Ludwig Huna, österreichischer Schriftsteller, Mitte der 20er Jahre über den „Wunderapostel“)

Schon die Buchkritik der 1920er Jahre hatte neben dem schriftstellerischen Können Sterneders stets die tiefe Natur- und Gottverbundenheit in seinen Werken hervorgehoben.

Die Wiener Volkszeitung beispielsweise bezeichnete ihn als „wahrhaftigen Dichter, Gestalter, Seher und Prediger“ und als „dithyrambischen Schwelger in Gott-Geist“ und die Deutsche Zeitung, Berlin, lobte seine „kraftvolle Lehre vom Sieg alles Guten und Schönen“.

Wilhelm Schwaner pries Sterneders „Wunderapostel“ in seiner pädagogischen Zeitschrift „Der Volkserzieher“ als „ferne, sanfte, erlösende Himmelsmusik“: „Alle Tiefen indischer, babylonischer, chaldäischer und ägyptischer Weisheit sind erschlossen.“ Und die Neue Freie Presse, Wien, schrieb über das Tagebuch eines Besinnlichen „Frühling im Dorf“: „Dieses Buch ist über alles Sagen und Begreifen köstlich. Eines der erhabensten mystischen Werke, sonnenhaft-gewaltig und doch wieder einfach klar, dass es jeder verstehen kann. Eine neue Sehnsucht gibt Sterneder den Menschen in diesem Werk, die hinaushebt über den Materialismus unserer Tage.“

In ihrer Dissertation über Sterneders religiöse Dichtungen hob Helen Fail ihn auf eine Stufe mit den Mystikern Meister Eckhart und Jakob Böhme. Sie kam zu dem Schluss: „Die häufigen Übereinstimmungen und Parallelen mit der Mystik, die bisher nachgewiesen werden konnten, beschränken sich nicht nur auf Jakob Böhme, sondern greifen auch über Meister Eckhart auf ihre Vertreter in allen Zeiten über. Denn die Mystik aller Zeiten ist stets die gleiche; als ihren größten Sprecher und geistigen Vertreter können wir wohl Meister Eckhart bezeichnen. Bei einer Übereinstimmung mit ihm oder auch seinem schlesischen Erneuerer und Vollender kann wohl daher auch Sterneder als ein Mystiker angesprochen, seine Lehren als mystisch belegt gelten.“

Ekkard Sauser nannte Sterneder in seinem Artikel fürs Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon (1995) „einen mystischen Pädagogen“, der „im Dienste der Beseelung des kulturellen Lebens überhaupt“ gestanden habe und dadurch „für das religiöse Leben Österreichs und darüber hinaus zu einem stillen, bedeutsamen Anreger [wurde], in allem Seele und Geist zu entdecken. So wirkte er, gewollt-ungewollt, gegen alle Verknöcherung religiösen Lebens, religiöser Formen sowie religiösen Brauchtums. Er leistete dadurch der Kirche Österreichs einen großen Dienst, obwohl dies ‚offiziell‘ kaum zur Kenntnis genommen wurde“.

Gero von Wilpert bezeichnete Sterneders philosophische Ausrichtung in seinem „Deutschen Dichterlexikon“ als „kosmisch-astrologischen Naturglauben“, die Deutsche Biographische Enzyklopädie nannte es naturverbundene „kosmisch-religiöse Lebenseinstellung“ und Sterneder selbst „kosmisch-biologisches Lebenserkennen“. In einem Radio-Interview Ende der 1950er Jahre erläuterte er, was er darunter verstand und wie es dazu gekommen war. Ausgangspunkt war sein Roman „Der Wunderapostel“:

„Mit diesem Buch ist dann die Wende in meinem Leben eingetreten. Bis dahin war ich ein unbefangener Schriftsteller. Ich habe – um das Wort zu gebrauchen – fabuliert. Dann aber habe ich mich einer anderen Art der Dichtkunst zugewandt: nämlich dass Dichtung erfüllt sein sollte mit kosmisch-biologischem Lebenserkennen, denn meiner Empfindung nach ist Kunst, und wenn sie noch so edel und noch so erhaben und sittlich noch so hoch ist, wohl eine unsägliche Beglückung für den Menschen, sie ist aber nicht das Letzte, was Kunst geben sollte, denn Kunst sollte, so wie das in den Frühzeiten der Menschen war, eigentlich dem Sakralen dienen. Sie sollte nicht nur entzücken, ergötzen, beglücken, sondern sie sollte auch Erkennen geben. Und da das höchste und letzte Erkennen der Menschheit nur das Erkennen sein kann um den Sinn des Lebens, so habe ich mich vom Wunderapostel an schon bemüht bis zum heutigen Tag und werde das immer tun: Kunst mit Erkennen zu vermählen und zu vereinen …, die Kunst als edles Gefäß benützen, das ich mit dem Wein kosmo-biologischer Erkenntnis gefüllt habe.“

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Lesen Sie hier die weiteren Teile der Reihe „Hans Sterneder: Mensch, Dichter, Mystiker“:

Teil 1: DER MENSCH

Teil 2: DER DICHTER

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