Hans Sterneders autobiographische Romane – Teil 1

Hans Sterneders autobiographische Romane – Teil 1

Grundstein dichterischen Schaffens


Der österreichische Dichter Hans Sterneder (1889-1981) ist einer der großen Wegbereiter moderner Spiritualität und hat mit seinem Roman „Der Wunderapostel“ einen der großen spirituellen Klassiker des 20. Jahrhunderts geschaffen. Sein Werk ist von seinem Leben kaum zu trennen, und so verwundert es nicht, dass viele seiner Bücher autobiographischen Charakter haben. Besonders vier seiner Romanen zeichnen
seinen Lebensweg nach.

Teil 1: DER BAUERNSTUDENT

meine Kindheits- und Jugendgeschichte (Dichtung und Wahrheit)
(HANS STERNEDER)

Der erste dieser Romane ist „Der Bauernstudent“, mit dem der 32-jährige Autor 1921 seine Dichterlaufbahn begann. Das Buch erschien im renommierten Leipziger L. Staackmann Verlag und war ein Überraschungserfolg. In den ersten beiden Jahren musste es dreimal neu aufgelegt werden, und die Kritik reagierte fast schon euphorisch. Der westfälische Journalist und Schriftsteller Dr. Friedrich Castelle sprach von einem „Buch, das vielleicht zu den wertvollsten der Gegenwart gehört“, die Romanautorin und Thomas Mann-Fördererin Ida Boy-Ed nannte es „ein Idyll … ein gesundes, stilles Buch“, und der Maler Hans Thoma schrieb: „Albrecht Dürer hat ein tiefes Wort geprägt, welches so heißt: Ein Künstler muss inwendig voll Figur sein. (…) Im Bauernstudent wittere ich die innere Figur, die ihn so gestaltet hat, dass der Autor auch bei weiterem Schaffen (…) auf seinen Stern vertrauen darf.“

Hans Sterneder: Der BauernstudentDer Bauernstudent“ erzählt die Geschichte des jungen Wolfgang „Wolf“ Heß auf seinem Weg vom armen Waisenkind zum anerkannten Schriftsteller.

Wolf wird in einer stürmischen Märznacht geboren, und sein Leben beginnt mit einem Schicksalsschlag. Bei seiner Geburt stirbt die Mutter, der Vater war schon kurz zuvor ums Leben gekommen. So nimmt die Großmutter das Waisenkind in ihre Obhut. Barbara Heß ist Bauernmagd in einem österreichischen Bergdorf. Sie ist zwar arm, aber sie umsorgt den kleinen Wolf mit so warmer Zuneigung, dass Großmutter und Enkel schnell zu einer unzertrennlichen Einheit werden.

An ihrer Seite wächst Wolf hinein in eine glückliche Kindheit. Inmitten von kraftstrotzenden, kernigen Bauernjungen ist sein Leben voller Wärme und Unbeschwertheit. Es wechselt zwischen innigem Naturerleben, lustigen Jungenstreichen und besinnlichen Gesprächen mit seinem väterlichen Freund und Förderer, dem Schulmeister Martin Löns.

Nach der Schulzeit wird Wolf zunächst Hüterbub des Dorfes und arbeitet als Knecht bei einem Bauern. Doch seine eigentliche Leidenschaft gilt den Büchern. Ganze Nächte sitzt er über ihnen, und er hat nur einen Wunsch: Er will aufs Gymnasium. Mit der Hilfe seines ehemaligen Lehrers schafft er es: Wolf darf das Gymnasium der nahen Kreisstadt besuchen.

„Der letzte kaiserliche Burgtheater-Direktor Hofrat von Millenkovich, der ebenfalls in mein stilles Dorf zur Erholung kam, las dieses Manuskript und brachte es zu einem der allergrößten Verlage jener Zeit (es war im Jahre 1921), zu L. Staackmann in Leipzig.“
(HANS STERNEDER)

Es folgen harte Jahre. Der Schulweg ist lang und beschwerlich. Die Mahlzeiten muss er an den Freitischen geiziger und hochnäsiger Spießbürger einnehmen und muss ihre Demütigungen über sich ergehen lassen. Doch in seinem gütigen Professor und der Bankiersgattin Sophie von Bergh findet er auch liebevolle Förderer. Eine schwere Erkrankung der Großmutter treibt Wolf an den Rand der Verzweiflung. Im Maturajahr befällt ihn selbst eine schwere Mittelohrentzündung. Er muss sich operieren lassen. Doch er überwindet auch diese schweren Zeiten und besteht die Reifeprüfung.

Auf Anraten seines Professors besucht Wolf Heß die Lehrerbildungsanstalt und studiert. Er lernt seine zukünftige Frau kennen, wird Lehrer in einem Hochgebirgsdorf, heiratet, und beide ziehen in das Schulhaus samt Garten und Acker. Die alte Großmutter nehmen sie zu sich, und nach einiger Zeit wird ihr Sohn Johannes geboren. Wolfs Glück ist perfekt, und in ihm erwacht und erblüht seine eigentliche Bestimmung. Immer noch sind Bildung und Wissen die großen Themen seines Lebens, speziell das Geistwissen. Gralssage und Gralssehnsucht erfassen ihn. Er liest und forscht und schreibt darüber. Zeitschriften und Monatsblätter publizieren seine Aufsätze. Seine Arbeiten erregen Aufsehen. Er wird zu Vorträgen eingeladen, Besucher von nah und fern kommen in das kleine Dorf.

Dann schreibt er sein erstes Buch: „Die Wiederkehr des Heiligen Gral“.

Wolf Heß pflügt seinen Acker, als Klein-Johannes jauchzend die Felder heraufgesprungen kommt und ein Bündel in der Luft schwenkt. Sein Buch. Wolf ist angekommen, er hat seine Bestimmung gefunden, er ist ein Schriftsteller, ein Dichter des Geistwissens geworden.

Die von Hans Thoma gestaltete Zeichnung für den Buchumschlag der Erstauflage.

Anlässlich von Hans Sterneders 60. Geburtstag schrieb F. Dietrich in einer Sonderausgabe der Zeitschrift „Die Arve“ 1949 über das Erstlingswerk des Dichters:

„Der größte Maler jener Zeit, Hans Thoma, hat dem jungen Dichter aus hellster Freude und engster Zugehörigkeit ein Titelbild gezeichnet, so dass dieses erste Buch gleichsam mit dem freudigen Ja dieses großen Malers begleitet wurde.

Die begeisterte Kritik gab ihm den höchsten Ehrentitel, den man einem naturverbundenen Dichter geben kann, indem sie ihn immer wieder den wiedergeborenen Adalbert Stifter nannte und sagte, dass sein Buch zu den wertvollsten Büchern der Gegenwart gehöre.“

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Hans Sterneder
Der Bauernstudent
Hardcover, 362 Seiten
ISBN 978-3-940964-09-0
LINK zum Buch auf unserer Verlagshomepage

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Lesen Sie hier die weiteren Teile der Reihe „Hans Sterneders autobiographische Romane“:

Teil 2: DER SELTSAME WEG DES KLAUS EINSIEDEL

Teil 3: DER SONNENBRUDER

Teil 4: DER WUNDERAPOSTEL

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